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10 Tage mit dem

Vom 26.12.18 bis 05.01.19 kamen insgesamt 100 Jugendliche aus ganz Deutschland in der nordrhein-westfälischen Stadt Arnsberg zusammen, um, vom Alltag, 10 Tage in ganz besonderer Atmosphäre gemeinsam zu verbringen und sich dem Koran zu widmen. Einige Eindrücke aus dieser Zeit, in der der Mensch sich ganz auf Herz und Seele konzentrieren und seinem Schöpfer ganz nah kommen konnte, Erlebnisse, die mich faszinierten und nicht losließen, möchte ich im folgenden Artikel festhalten.

Tag für Tag wird mir bewusster, dass der Koran mit dem Willen von Dem, Der die Geheimnisse von Himmel und Erde kennt, bewahrt wird. Denn schaut man sich die Jugendlichen zwischen 16 und 35 Jahren an, die aus den verschiedensten Städten Deutschlands zusammenkommen, nur um sich intensiv mit dem Buch Allahs, des Erhabenen, auseinanderzusetzen, es sowohl zu lesen als auch auswendig zu lernen und sich tiefgründig damit zu beschäftigen, dann gelangt man genau zu dieser Erkenntnis. Denn letztendlich sind wir nur Mittel, die Allah, der Erhabene, dazu verwendet, sein Buch zu bewahren.

In mehreren Punkten möchte ich meine Erlebnisse genauer beschreiben.

Zunächst möchte ich auf den Aspekt des Genusses eingehen, der nicht mit Geld erworben werden kann. Folgende Aussagen einiger rechtschaffener Gelehrter möchte ich an dieser Stelle erwähnen.
„Ein Segen wird uns zuteil, um den uns die Könige und deren Söhne, würden sie diesen erkennen, mit Schwertern bekämpfen würden, um diesen selbst zu erlangen.“ Der Verfasser dieser Worte möchte uns darauf aufmerksam machen, dass es Wonne und weitere freudige Dinge gibt, die nicht mit Geld oder Herrschaft erlangt werden können, sondern vielmehr durch die Nähe zu Allah, dem Erhabenen.

Das Ihm Nahe sein, ist das Glücksgefühl, das man verspürt, wenn man sich Seiner Erhabenheit unterwirft, Allah sein Herz ausschüttet sowie sich aufrichtig Ihm anvertraut und sich Seines Schutzes und Seiner Güte bewusst wird.

Aus diesem Grund sprach der islamische Gelehrte Ibn Taimiyah, wie uns Ibn al-Qayyim in seinem Werk: „Madarij as-salikin“ (engl. Steps of the seekers) (Deutsche Hilfsübersetzung: Die Schritte des Suchenden) überlieferte:
„Ich habe gehört, wie der Gelehrte Ibn Taimiyah, möge Allah mit seiner Seele barmherzig sein, sagte: „Es gibt im Diesseits ein Paradies, wer dieses nicht betritt, der wird das Paradies im Jenseits nicht betreten.“

Auch äußerten einige Gelehrte Folgendes:
„Herzen gehen durch Zeiten, in denen ich mir sage, dass wenn sich die Paradiesbewohner in solchen Lagen befänden, sie wahrlich im Wohlstand leben würden.“

Dieses Paradies, über das uns Ibn Taimiyah und andere berichten, äußert sich in der Glückseligkeit durch die Verbundenheit mit dem Schöpfer der Universen. Dieser ist uns näher als unsere Halsschlagader; es ist das Paradies des Glaubens.

Wer dieses erreicht, der erreicht das gute Leben, wie es der Koran beschreibt:
„Wer rechtschaffen handelt, sei es Mann oder Frau, und dabei gläubig ist, den werden Wir ganz gewiß ein gutes Leben leben lassen. Und Wir werden ihnen ganz gewiß mit ihrem Lohn das Beste von dem vergelten, was sie taten.“
Sure An-Nahl 16:97

Und ja, es waren durchaus Tage aus dem Paradies.

100 Jugendliche rezitieren den Koran. Dabei erhoben sich ihre Stimmen, voller Liebe und erfüllten den gesamten Ort. Als zum Gebet gerufen wurde, versammelten sich alle und stellten sich in Reihen auf, vor Allah, ihrem Schöpfer. Nach einer kurzen Nacht und wenig Schlaf wachten sie dann auf, damit die Engel ihre Koranrezitationen in der Morgendämmerung bezeugen und sie seine Brise genießen.

Kam die Zeit des Vergnügens, der Unterhaltung und des geselligen Beisammenseins, fanden wir freundliche junge Männer und Frauen, jeweils unter sich, die mit dem besten Humor und den schönsten Stimmen zusammenkamen. All jene waren bestrebt, die Herzen ihrer Geschwister zu erfreuen.
Was den Segen der Liebe und Sympathie, der Reinheit der Geschwisterlichkeit und der Herzen angeht,
so beschreibt folgender Vers dieses Erlebnis am besten:

‘’Und Er hat ihre Herzen zusammengefügt. Wenn du alles, was auf der Erde ist, (dafür) ausgegeben hättest, hättest du ihre Herzen nicht zusammenfügen können. Aber Allah hat sie zusammengefügt. Gewiß, Er ist Allmächtig und Allweise’’.
Sure Al-Anfal 8:63

Wann auch immer ich die Liebe und die aufrichtige Geschwisterlichkeit zwischen den Jugendlichen erblickte, bestätigte sich für mich, dass es im Universum keine Beziehung gibt, die stärker, höher und schöner ist als die Liebe um Allahs Willen.

Es ist das, was Allah für seine Diener vom jenseitigen Segen bereits ins Diesseits vorgezogen hat.

Das war das Bewusstsein, mit dem die Jugendlichen in den zehn gemeinsamen Tagen unseres Camps lebten.
Hast du jemals Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren erlebt, die sich gegenseitig zum Abschluss einer Freizeitveranstaltung aus Traurigkeit unter Tränen aufgrund der Trennung verabschieden?

Ein weiterer Aspekt, der mir in den Sinn kam, ist der schwierige Ausgleich, der in dieser Zeit geschaffen und erreicht werden konnte.

In den Köpfen vieler Menschen ist der Gedanke verankert, dass Religion und das diesseitige Leben nicht vereinbar seien. Ist das eine also präsent, muss das andere weichen.
Das Vereinen von Lebensgenuss und das Erlangen des höchsten Wohlgefallens des Herrn der Welten seien wie der Osten und der Westen, die sich nie begegnen werden. Oder sie seien wie Tag und Nacht, die niemals eins werden.
Diese Denkweise lenkt einige und sie ist schlichtweg falsch.
Es ist nötig, dass die Jugend in Europa ein praktisches Modell für ein natürliches Leben erhält, in der ein Jugendlicher mit seinen natürlichen Veranlagungen und seiner Glaubenslehre im Einklang steht.
Allah, der Gnadenreiche, ehrte uns und spendete uns in diesen Tagen viel Segen und wir durften diese Tage gemeinsam erleben. Unser Motto war der folgende Vers.

„Sag: Gewiß, mein Gebet und mein (Schlacht)opfer, mein Leben und mein Sterben gehören Allah, dem Herrn der Weltenbewohner. (162)
Er hat keinen Teilhaber. Dies ist mir befohlen worden, und ich bin der erste der (Ihm) Ergebenen.’’ (163)
Sure Al-An‘am 6:162-163

Meinen dritten und nächsten Gedanken möchte ich ebenfalls teilen. Diejenigen, die nach Glückseligkeit suchen, sollten sich ein Beispiel an dem jungen „Ali“ nehmen und sich von ihm inspirieren lassen.
Ali bewegt sich in einem Rollstuhl fort. Doch in Hinblick auf uns selbst, brachte er uns in Verlegenheit uns selbst gegenüber – und dies in jeglicher Hinsicht.
Bei jedem Gebet war er es, der vorauseilte. Auch achtete er darauf, beim Niederwerfen aus dem Rollstuhl auszusteigen, trotz der deutlich erkennbaren Anstrengung. Auf die Frage, warum er dies, trotz der Erleichterung tat, die ihm islamrechtlich in seiner körperlichen Lage zusteht, erwiderte er: ‚‚Ich schäme mich, für meinen Herren nicht aufzustehen. Ich finde mein Herz dann, wenn ich mich für meinen Geliebten anstrenge.’’
Warf man einen Blick auf die einzelnen Koran-Lerngruppen während des Camps, so fand man ihn als bestrebten und fleißigen Rezitator wieder, der ein Viertel des heiligen Koran auswendig gelernt hat und dessen Ziel es ist, ihn vollständig zu verinnerlichen.

Während unseres Spaziergangs im Wald fiel mir besonders seine Energie und Motivation sowie Entschlossenheit und Zielstrebigkeit auf. Weder sein klares Lächeln und unschuldiges Lachen, noch seine wachsame Seele blieben unbemerkt.

Immer, wenn ich ihn sah, dachte ich mir: „Wie viele gesunde Menschen machten ihre Umgebung krank und wie viele körperlich eingeschränkte Menschen strahlten so viel Motivation aus und erreichten Großes.“

Wir fragten ihn nach seinem Lebensmotto und er antwortete darauf: ‚‚Das Lächeln‘‘ und führte fort: „Der Mensch lebt nur einmal, warum also traurig sein?“.

Viele Philosophen erschwerten sich das Leben bei der Suche nach dem Geheimnis der Glückseligkeit. Mein Rat an sie? Setzt euch zu Ali. Möglicherweise erlangt ihr einen Teil Gewissheit und legt einige Zweifel ab. Trifft man auf ihn, versteht man den Ausspruch weiser Gelehrter: „Die Glückseligkeit wurde gefragt, wo sie sich befinde und sie erwiderte: „In den Herzen der Zufriedenen.“

Mit Ali lernten wir wieder die Bedeutung des folgenden Ausspruchs des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu schätzen: „Die Lage des Gläubigen ist wahrlich erstaunlich. Jeder Zustand ist gut (für ihn) und keinem anderen außer dem Gläubigen wird dies zuteil. Trifft ihn etwas Erfreuliches und er dankt dafür, so ist es gut für ihn. Trifft ihn etwas Unerfreuliches und er zeigt sich darin standhaft, so ist (auch) dies gut für ihn. (Überliefert von Muslim)

Mit dem nächsten Gedanken möchte ich schließlich zu meiner vierten und letzten Erkenntnis kommen:
Durch die besonnene und sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Koran ein neues Leben beginnen.

Menschen in jungem Alter und doch mit großem Verstand, Zielen und Hoffnungen. Einige von ihnen erzählten mir, sie konnten keinen Vers auswendig lernen, bevor sie nicht seine Bedeutung verinnerlicht haben. Ich antwortete ihnen, dass genau dies die Gefährten des Propheten, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, taten.

Das größte Anliegen dieser jungen Menschen war es, dem Koran und seiner gewaltigen und bedeutenden Botschaft gerecht zu werden und sie umzusetzen.
Deshalb kamen Tafsir-Einheiten (Koranexegese) als auch Programmpunkte, die das Nachdenken über den Koran beinhalteten beim Camp nicht zu kurz. Und alles Lob gebührt dafür Allah.

Unsere Aufgabe ist es, mit dem heiligen Koran zu leben, seine Botschaft auszuleben und uns mit den Versen auseinanderzusetzen, seine Regeln und Vorschriften zu studieren, uns mit seiner Rechtleitung leiten zu lassen und das Licht der Sunna in unserem Leben scheinen zu lassen.

Nach den 10 gemeinsamen Tagen verließen wir die Herberge mit dem Wissen, dass unser Geist bis zu unserer Rückkehr an diesem Ort verweilen würde.

Taha Soliman Amer
Vorsitzender des Rates der Imame und Gelehrten in Deutschland

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